Gegenstand des Projekts ist die Bereitstellung von technischen
Lösungen und integrierten Systemen für eine vollständige
digitale Sicherung aller Arten von audiovisuellen Sammlungen.
Institutionen, die traditionellerweise die langfristige Sicherung audiovisueller
Daten zur Aufgabe haben (Rundfunk-Anstalten, Forschungseinrichtungen, Bibliotheken,
Museen, usw...), sehen sich nun mit neuen Herausforderungen in Technik
und Organisation, Ressourcen und rechtlichen Belangen bei der Datenmigration
hin zu digitalen Formaten und der Erhaltung bereits digitalisierter
Bestände
konfrontiert. Technische Veralterung und physischer Verfall von Datenbeständen
verlangen eine wohlüberlegte
Strategie und effiziente technische Abläufe in der digitalen Langzeitsicherung.
Das Hauptziel dabei ist der Aufbau von Einrichtungen, die die notwendigen
Voraussetzungen für diese Langzeitsicherung zur Verfügung stellen
und die allen Datenbetreuer zugänglich sind, um ihre Bestände
zu verwalten und zu vertreiben.
Das vorige Jahrhundert eröffnete neue
Möglichkeiten der Sicherung
des Kulturerbes durch audiovisuelle Technologien. Schlüsselereignisse
wurden aufgezeichnet, audiovisuelle Medien stellten die neue Form kulturellen
Ausdrucks und eine erweiterte Darstellung der Menschheitsgeschichte dar.
Diese neuen historischen, kulturellen und kommerziellen Vermögensgüter
sind weitaus fragiler als konventionelle Kunstwerke (Malereien, Dokumente,
Baudenkmäler...) und
sind völlig dem Risiko des Verfalls ausgesetzt. Nach Schätzungen
der UNESCO existieren weltweit audiovisuelle Bestände von insgesamt
200 Millionen Stunden, davon in Europa ca. 50 Millionen Stunden. Das gesamte
Audio-, Video- und auch Filmmaterial ist innerhalb der nächsten 20
Jahre gefährdet.
Dies bedeutet eine große Herausforderung für lokale wie nationale
Archive, Universitäten, Bibliotheken, Museen und unternehmensinterne
wie private Sammlungen
Audiovisuelle Inhalte sind weit verbreitet und Archive sind heterogen
in ihrer Größe und organisatorischen Struktur: Institutionen, Firmen,
regionale und lokale Einrichtungen, etc... Bislang bedeuten hohe Kosten und technologische
Komplexität für die unterschiedlichen Archivbetreiber ein Hindernis
dabei, ihre eigene Archivpolitik in Durchführung und Verwaltung umzusetzen,
während auf allgemein gültige Richtlinien und Unterstützung von übergeordneten öffentlichen
Stellen gewartet wird.
Obwohl die großen „Broadcaster“ bereits damit begonnen
haben, ihre Bestände zu digitalisieren - verbunden mit sehr hohen
Kosten und der Anwendung modernster Technologien -, besteht die Notwendigkeit
nun darin, die Herangehensweise einer „Preservation Factory“ mit
einzubeziehen, die integrierte halbautomatisierte Lösungen zur Verfügung
stellt mit dem Ziel, Kosten soweit zu minimieren, dass auch kleinere
Sammlungen mit Hilfe von vereinfachten, standardisierten Verfahren gesichert
werden können. Diese
Dienstleistungen werden auf die Gegebenheiten der z.T. sehr unterschiedlichen
audiovisuellen Beständen zugeschnitten, und zwar hinsichtlich: ökonomischer
und sozialer Modelle, Lager-, Software- und auch Personalkosten, sowie
von den Archivhaltern angewandter Firmenpolitiken und Praktiken. Der
Weg, um das Ziel einer „Sicherung aller audiovisuellen Bestände“ zu
erreichen, verfolgt einen integrativen Ansatz, indem langfristig haltbare
Bestände
produziert und für die Nutzung durch Fachleute als auch die breite Öffentlichkeit
zugänglich gemacht werden. Die Hauptidee dabei ist: ein (öffentlich)
zugänglicher Archivstück (=Inhalt) ist wertvoller als eines,
das im Regal verstaubt. Ein integrativer Prozess erlaubt diesen Zugang,
der die Mittel für die Finanzierung dieser Aktivitäten und
die Erhaltung der Materialsammlungen sichert.
In früheren EU-Projekte wie PRESTO wurden effiziente Preservation-Technologien
für Broadcaster u.ä. entwickelt. Dabei wurde aufgezeigt, dass
durch eine Strategie des halbautomatisierten Workflow, bei der jeder „Operator“ (Techniker,
etc.) mehrere Sicherungs-Straßen gleichzeitig betreut, 50% der
Aufwendungen eingespart werden können. Voraussetzungen für
vollen Zugriff auf Archivinhalte: vollständige Dokumentation aller
Bestände
mit den dazugehörigen Metadaten inklusive Rechteklärung und
Rechtemanagement; (falls notwendig) Restaurierung; ein effizientes (Vertriebs-)System
für
den kommerziellen als auch öffentlichen Zugang. Noch immer gibt
es ungelöste
Probleme bei Digitalisierung, Metadaten-Extrahierung, Restaurierung,
Lagerung, Netzwerkbandbreite, Sicherheitsvorkehrungen und Auslieferung
an den „End-User“.
Partielle Lösungen existieren zwar, sind aber meist noch zu wenig
stabil, nicht skalierbar oder finanziell nicht tragbar, und definitiv
nicht in ein nachhaltiges kommerzielles und rechtliches Modell integriert.
Heutzutage werden viele Initiativen geboren, die auf einer „project-to-project“-Basis
beruhen, welche eine denkbar schlechte Startvorgabe für langfristige
Strategien und Bemühungen
auf einem gesamt-europäischen Level in diesem Bereich darstellen.
Um jedem europäischen Archivbetreiber, von den kleinen Sammlungen bis
hin zu den größten, die Anwendung einer autonomen und realistischen
Firmenpolitik, die die Sicherung und Nutzung von digitalen Beständen
beinhaltet, zu ermöglichen, weitet PRESTOSPACE die Grenzen gegenwärtiger
Technologien über den neuesten Stand der Technik hinaus und bringt Industrien,
Forschungseinrichtungen und Interessensvertreter auf europäischer Ebene
zusammen, um Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die eine erfolgreiche
automatisierte Sicherung und einen Zugang für die /verschiedenartigsten
audiovisuellen Sammlungen Europas ermöglichen.
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